Allgemeinerkrankungen und Parodontitis
Enger Zusammenhang zwischen Allgemeinerkrankungen und Parodontitis
Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP) hatte die komplexen Zusammenhänge zwischen parodontalen Infektionen und systemischen Allgemeinerkrankungen zum zentralen Thema des Hauptprogramms ihrer Jahrestagung gewählt, die vom 25.09. bis 27.09.2008 in Nürnberg stattfand.
Durch eine, in dieser Form bislang einmaligen Kooperation zwischen der DGP
und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) war es gelungen, in vielen Vorträgen den engen Zusammenhang zwischen der Parodontitis und allgemeinen Erkrankungen darzustellen. Die wichtigsten Erkenntnisse:
Gefäßerkrankungen und Parodontitis:
- Es besteht eine eindeutig belegbare Beziehung zwischen Gefäßgesundheit und parodontaler Gesundheit. Eine erfolgreiche parodontale Therapie verbessert den funktionellen Zustand der Gefäße signifikant.
- Die schweren und fortgeschrittenen Zahnbetterkrankungen haben einen Einfluss auf die Allgemeingesundheit. Eine Reduktion der Gefäßentzündung kann auch durch eine konsequente Parodontitistherapie erreicht werden.
- Kardiovaskuläre Erkrankungen, insbesondere ein Herzinfarkt oder ein Hirninfarkt, entstehen häufig auf dem Boden arteriosklerotisch veränderter Blutgefäße. Einer manifesten Arteriosklerose (Verkalkung der Blutgefäße), gehen funktionelle Störungen des Endothels (Gefäßinnenwand) voraus. Spezifische Risikofaktoren (z. B. Hypertonie= Bluthochdruck, Hyperlipidämie=Erhöhung der Fettstoffe im Blut, Diabetes mellitus= Zuckerkrankheit, Rauchen) führen über eine endotheliale Dysfunktion zur Arteriosklerose und schließlich zu koronaren Herzerkrankungen. Anhand zahlreicher Studien kann der Zusammenhang zwischen Parodontitis und kardiovaskulären Erkrankungen belegt werden.
- Eine nicht behandelte Parodontitis erhöht die Wahrscheinlichkeit an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken um das 1,25fache. Auch wenn dies zunächst sehr niedrig erscheint, so sollte dabei bedacht werden, dass sich der Risikofaktor "Parodontitis" mit anderen Risikofaktoren addieren kann und deshalb vor allem bei potenziell durch Gefäßerkrankungen gefährdeten Patienten der Status der parodontalen Gesundheit abgeklärt werden sollte.
Übergewicht, Diabetes und Parodontitis:
- Der Diabetes mellitus hat sich mittlerweile zu einem weltweiten Gesundheitsproblem entwickelt. Vor allem Adipositas (Übergewicht) scheint eine tragende Rolle zu spielen. 40 bis 60 % aller Übergewichtigen entwickeln im Laufe ihres Lebens einen Diabetes mellitus. Insulinresistenz, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen treten selten unabhängig voneinander auf.
- Typ 1 Diabetiker haben ein dreifach höheres Risiko, an schweren Parodontopathien zu erkranken als Nichtdiabetiker.
- Bei Diabetikern ist die Abwehr insgesamt geschwächt und durch die hohen Blutzuckerwerte kommt es auch in der Mundhöhle zu Durchblutungsstörungen.. Umgekehrt kann jedoch auch eine Parodontitis den Diabestes mellitus ungünstig beeinflussen, indem die chronische Entzündung eine Insulinresistenz in den Zielzellen induziert.
- Erfahrene Diabetologen betrachten die Parodontitis schon seit längerem als sechste Komplikation des Diabetes mellitus und betonen damit den engen Zusammenhang beider Erkrankungen.
- Das Ausmaß des Attachmentverlusts (Verlust des Zahnhalteapparates) hängt stark mit der individuellen Entzündungsaktivität zusammen. Deshalb führt eine schlechte Mundhygiene nicht zwangsläufig zu Attachmentverlust, während umgekehrt eine gute Mundhygiene nicht bei jedem Patienten eine Erkrankung komplett verhindern kann. Die Mundgesundheit wird immer auch von der Allgemeingesundheit beeinflusst. Besondere Befunde im Bereich der Mundhöhle, wie sie bei Diabetes, hämatologischen Erkrankungen und Infektionskrankheiten auftreten, sollten immer internistisch abgeklärt werden, insbesondere dann, wenn trotz guter Mundhygiene und sorgfältiger systematischer Therapie parodontale Entzündungen nicht abklingen oder wiederkehren.
Zusammenfassung:
Die DGP-Tagung in Nürnberg hat klar gezeigt, dass die Parodontitis eng im Zusammenhang mit der Gesundheit des Gesamtorganismus steht. Dies ist angesichts der weiten Verbreitung dieser Erkrankung in der deutschen Bevölkerung eine wichtige Erkenntnis. Vor allem
gibt es bereits erste Hinweise, dass sich die parodontale Therapie auf die Gesundheit von Blutgefäßen, auf Diabetes und das Bakteriämierisiko (Streuen von Bakterien über die Blutbahn in den Gesamtorganismus) günstig auswirkt.